Prävention 4.0 – den Wandel der Arbeitswelt begleiten

Mit der Digitalisierung, der Technologisierung und den Anforderungen an moderne, funktionale und ressourcenschonende Gebäude ändern sich Baustoffe und Arbeitsmaterialien, aber auch Prozesse und Abläufe. Eine Herausforderung auch für den Arbeitsschutz.

Zukunftsthemen

In Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen, mit Innungen, Verbänden und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) stellen wir uns darauf ein: Wir müssen Arbeitsprozesse und -stoffe sehr gut kennen, um Maßnahmen zur Sicherheit und Gesundheit an den Arbeitsplätzen anzupassen und unsere Versicherten vor Gefährdungen zu schützen.

Die neuen technischen Möglichkeiten bieten zugleich große Chancen für den Arbeitsschutz. So werden beispielsweise Risiken minimiert und Unfälle vermieden. Drohnen inspizieren Dächer, während der Dachdecker mit der Steuerung am Boden bleibt. Mit digitalen Verfahren werden bereits in der Planungsphase mögliche Schwachstellen bei der Sicherheit erkannt und beseitigt. Roboter übernehmen für Beschäftigte die schweren Tätigkeiten. Die Möglichkeiten sind vielfältig und umfangreich. Gleichzeitig ergeben sich aus den neuen Verfahren und Techniken auch große Herausforderungen: neue Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit können durch sie entstehen. Die BG BAU bleibt hier am Ball und begleitet die Entwicklungen intensiv, um rechtzeitig zu reagieren.

Neue Wege der Prävention

Wie können wir unsere Unternehmerinnen und Unternehmer und unsere Versicherten noch stärker für den Arbeitsschutz sensibilisieren und motivieren? Wie können wir sie noch besser unterstützen? Zuverlässige Antworten auf diese Fragen finden wir nur im Dialog mit den Betrieben und ihren Beschäftigten. Das Mitte 2018 gestartete Programm „Neue Wege der Prävention“ setzt auf den Dialog mit den verschiedenen Zielgruppen – wir wollen ihr Verhalten, ihre Motivation besser verstehen und gemeinsam mit ihnen zukunftsfähige und praxistaugliche Lösungen entwickeln.

Das Programm hat im Jahr 2019 wichtige Teilprojekte in Angriff genommen: In einer Umfrage haben wir Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Bau- oder Objektleitungen gefragt, wie zufrieden sie mit den Leistungen der BG BAU sind. Im Ergebnis wünschen sich die Befragten zum Beispiel mehr Kontrollen durch die BG BAU – Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz sind ihnen also wichtig, das Engagement für Arbeitsschutz soll aber von allen eingefordert und entsprechend überwacht werden.

Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf der Entwicklung digitaler Lösungen, die Arbeitsschutz von der Planung bis zur Ausführung erleichtern, mit denen aber auch schon Auszubildende für das Thema zu gewinnen sind.

Die „Virtuelle Baustelle“ der BG BAU

Entsprechend dem bekannten Unfallgeschehen im Roh- und Hochbaubereich haben wir das Umfeld einer Rohbaustelle programmieren lassen.

Man muss sich mit notwendiger persönlicher Schutzausrüstung ausstatten, ein Gerüst muss vervollständigt, Bodenöffnungen müssen abgedeckt und verschiedene Absturzsicherungen angebracht werden. Man erlebt einen Absturz sehr realitätsnah, bleibt aber natürlich gesund und unverletzt.

  • Die virtuelle Baustelle der BG BAU

Die Vorteile der virtuellen Baustelle erläuterte Dr. Claudia Waldinger aus der Prävention der BG BAU und Leiterin des Programms in einem Interview auf der Messe A&A 2019

Vorschau zum Video "Dr. Waldinger zu über virtuelle Baustellen"
  • Dr. Waldinger über die virtuelle Baustelle

Die digitale Gefährdungsbeurteilung DigitGB

Die BG BAU möchte die Gefährdungsbeurteilung als App entwickeln, die auf Smartphones und Tablets installiert und damit auch auf der Baustelle eingesetzt werden kann. Zu jedem Gefährdungsfaktor wird eine Hilfestellung aus Bausteinen und Betriebsanweisungen angeboten, an relevanten Stellen wird zu den Arbeitsschutzprämien verknüpft. Die DigitGB wurde zunächst für die Gewerke Dachdecker, Gerüstbauer, Schornsteinfeger und Zimmerer entwickelt, aber wir verfolgen das Ziel, die DigitGB für alle Gewerke anzubieten.

Prozesse analysieren – optimieren – digitalisieren

Man kann abwarten, „was die Digitalisierung so bringt“ oder man nutzt die Chance, sie mitzugestalten. Viele Betriebe gehen den digitalen Wandel aktiv an, möchten vorbereitet sein oder sich an der Entwicklung technischer Lösungen beteiligen. Als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung ist es unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass die zu uns gehörenden Betriebe alle gesetzlichen Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit erfüllen. Die Umsetzung soll Teil des Betriebsablaufes sein und diesen nicht blockieren. Deshalb ist es gerade mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung von Arbeitsprozessen enorm wichtig, Maßnahmen zum Arbeitsschutz mitzudenken. Schlechte Abläufe gewinnen auch durch Digitalisierung nicht an Qualität. Deshalb müssen sie im Vorfeld analysiert und bei Bedarf optimiert werden.

Die BG BAU arbeitet in Projekten gemeinsam mit Unternehmen, Ministerien und Forschungseinrichtungen daran, dass die Digitalisierung allen den vollen Nutzen bringt.

Digital unterstützter Gesundheits- und Arbeitsschutz im Arbeitsprozess Bau – das Projekt DigiGAAB

Als Projektpartner beteiligt sich die BG BAU in dem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekt DigiGAAB. Ziel ist es, digital unterstützten Gesundheits- und Arbeitsschutz für Arbeitsprozesse im Baugewerbe zu erarbeiten. Zunächst wurden die bestehenden Geschäftsprozesse der beteiligten Stuckateurbetriebe identifiziert und zusammen mit den Unternehmen modelliert, wobei Belange des Arbeitsschutzes – etwa in den Prozess der Angebotserarbeitung – einflossen. Sämtliche Prozesse und die Systemlandschaften der Unternehmen wurden in eine sogenannte Prozess-Engine integriert, die den Beschäftigten über eine Oberfläche ihre Aufgaben zuordnet und deren Ausführung überwacht. Die Prozess-Engine ist mit den sonstigen im Unternehmen eingesetzten IT-Systemen über Schnittstellen verbunden und löst die gewünschten Leistungen und Kommunikationen aus. Im nächsten Schritt wird ein Prototyp des digital optimierten Prozesses von den Unternehmen im Rahmen von Workshops getestet, um diese entsprechend den Anforderungen aus der Praxis weiterzuentwickeln.

Im Rahmen einer Kooperation des DigiGAAB Projektes mit einem ebenfalls geförderten Start-Up wird eine digitale Arbeitsschutzplattform als stationäre und mobile Anwendung entwickelt, die sämtliche Arbeitsschutzanforderungen in einer digitalen Anwendung behandeln kann. Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, Anweisung, Arbeitsmittelprüfung, Qualifikation von Beschäftigten, Toolbox-Meetings und anderes werden verknüpft, wobei Daten aus bestehenden Anwendungen (Handwerkssoftware, Unternehmenssoftware) über geeignete Schnittstellen einfließen. Mit Hilfe dieser digitalen Anwendung kann jederzeit, stationär und mobil die betriebliche Gefährdungsbeurteilung projektbezogen ergänzt werden, um zum Beispiel die dann notwendigen Unterweisungen zielgruppengerecht nebst Anweisungen vor Ort etwa mit Hilfe digitaler Tools rechtssicher durchzuführen. Auch das rechtzeitige Erkennen prüfbedürftiger Arbeitsmittel im Betrieb oder auf Baustellen mit Zuweisung von Art und Umfang der Prüfung oder die Einsicht in historische Prüfunterlagen wird beispielsweise über ein Tablet möglich. Als Nebeneffekt lassen sich die Dokumente generieren, die im Rahmen von Arbeitsschutzmanagementsystemen (z. B. AMS BAU) zwingend zu erstellen sind.

Mit unserem Engagement tragen wir dazu bei, dass die Unternehmen der Baubranche und baunaher Dienstleistungen mit sicheren, gesunden und modernen Arbeitsplätzen attraktive Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bleiben.

 Weiterführende Informationen


  • DigiGAAB: Projekt innerhalb der „Initiative neue Qualität der Arbeit“