Passgenauer Arbeitsschutz

Es gibt Gefährdungen, die sich im Schadensfall unmittelbar auswirken. Und solche, deren Folgen sich erst Jahre nachdem man ihnen ausgesetzt war zeigen. Deshalb braucht es den passenden Schutz.

Schwerpunkte

Oben arbeiten – sicher geht das

Sicher arbeiten an hoch gelegenen Arbeitsplätzen – das gelingt am zuverlässigsten, indem die Regeln zur Absturzsicherung unbedingt eingehalten werden. Bei der Umsetzung des Regelwerks in der Praxis unterstützt die BG BAU ihre Mitgliedsunternehmen: Zum einen mit ihrem Informations- und Beratungsangebot, zum anderen mit ihren Arbeitsschutzprämien. Der Einsatz zahlt sich aus: Ereigneten sich 2011 rund 9.000 Absturzunfälle, waren es neun Jahre später (2020) etwas mehr als 6.700. Doch diese Zahl ist noch immer zu hoch: Absturz war im Jahr 2020 die häufigste Ursache für tödliche Arbeitsunfälle am Bau. Neben Gerüsten und Leitern bergen vor allem Lichtkuppeln und nicht durchtrittsichere Dachbeläge erhebliche Gefahren. Auch Nachlässigkeiten in der Anwendung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz führen regelmäßig zu Unfällen. Hubarbeitsbühnen, Ein-Personen-Gerüste und clevere Arbeitshilfen: Sind Gefahrenbewusstsein und Einsicht vorhanden, sind die Mittel nicht weit, um Arbeiten in der Höhe sicherer durchzuführen und Abstürze zu verhindern. Ein zusätzliches Prämienverfahren der BG BAU wurde 2020 eingerichtet und fördert Investitionen mit bis zu 10.000 Euro. Weitere Informationen finden sich auf unserer Webseite.

Ergonomische Lösungen beugen Muskel-Skelett-Erkrankungen vor

Ob auf dem Bau oder im Reinigungsgewerbe: Bei Tätigkeiten in ungünstigen Körperhaltungen, beim Umgang mit schweren Lasten oder bei wiederkehrenden gleichförmigen Bewegungsabläufen sind Beschäftigte hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Übermäßige körperliche Belastungen können die Leistungsfähigkeit und die Arbeitsqualität beeinträchtigen, die Effizienz vermindern und Fehlzeiten verursachen. Deshalb lohnt es sich, Prozesse und Werkzeuge körpergerechter zu gestalten.

Eine ergonomische Arbeitsumgebung und körpergerechte Arbeitsmittel tragen dazu bei, körperliche Belastungen dauerhaft zu reduzieren und Muskel-Skelett-Erkrankungen vorzubeugen. Die BG BAU berät Unternehmen, wie sie ihre Beschäftigten entlasten können und bietet auf ihrer Informationsplattform Ergonomische Lösungen eine umfassende Übersicht ergonomischer Arbeitsmittel an.

Bei der individualmedizinischen Beratung der Versicherten im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen fragen die Betriebsärztinnen und Betriebsärzte des Arbeitsmedizinischen Dienstes (AMD der BG BAU GmbH) Belastungssituationen ab und informieren gezielt über technische und individuelle Möglichkeiten zur Entlastung.

Entwicklung der am häufigsten angezeigten berufsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen:

Durch physikalische Einwirkungen verursachte Erkrankungen (gemeldete Verdachtsfälle) BK-Nummer 2019 2020
Kniegelenksarthrose 2112 956 1.012
Erkrankungen der Wirbelsäule 2108 863 925
Erkrankungen des Meniskus 2102 494 514

 

Digitale Menschmodelle machen Arbeit ergonomischer

Arbeitsbedingungen sind dann ergonomisch, wenn sie den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten des arbeitenden Menschen angepasst sind. Dabei sind viele Gestaltungsaspekte zu berücksichtigen, welche zu Fehl- oder Überbelastung führen können. Hier können digitale Menschmodelle unterstützen – mit ihnen lassen sich körperliche Belastungen realitätsnah simulieren und Verbesserungspotenziale quantifizieren. So kann man z. B. konkrete Arbeitssituationen auf Belastungsengpässe hin untersuchen. Eine ergonomische Verbesserung wird erreicht und direkt sichtbar gemacht, indem man solche Belastungsengpässe gezielt reduziert oder beseitigt. 

Die BG BAU nutzt solche Softwaresysteme, beispielsweise für die Bewertung von Schutzmaßnahmen, die für eine Förderung im Rahmen der Arbeitsschutzprämien infrage kommen. Die Software stellt dar, in welchem Maß ergonomische Lösungen im Vergleich zu herkömmlichen Werkzeugen zur körperlichen Entlastung führen. So wurde beispielsweise die Arbeit mit wasserführenden Stangensystemen zur Fenster- und Fassadenreinigung simuliert. Die Erkenntnisse daraus flossen in die Bewertung der Arbeitsschutzprämie Rucksacksystem zur Fenster- und Fassadenreinigung mit ein, welches bei Reinigungsarbeiten mit Stangensystemen die Belastung reduziert.

10 Jahre Kniekolleg

Die BG BAU bietet Versicherten aus dem gewerblichen Bau- und Handwerksbereich
seit 2011 mit dem Kniekolleg und – seit 2019 – dem Rückenkolleg ein kostenloses gezieltes Training an, um Verhaltensweisen und Übungen zur Stabilisierung von Muskeln und Gelenken zu erlernen und damit einer Berufskrankheit vorzubeugen. Dank entsprechender Hygienekonzepte blieb die Nachfrage trotz coronabedingter Pause nur unwesentlich hinter der des Vorjahres zurück:

Knie- und Rückenkolleg gesamt 2019 2020
Erstmaßnahme 219 191
Refresher 1* 146 170
Refresher 2* 128 100
Gesamt 493 461

*Auffrischungsseminar

Arbeitsschutzprämien für Maßnahmen gegen Absturz

In ihrem Prämienkatalog fördert die BG BAU auch 20 unterschiedliche Maßnahmen gegen Absturz mit Arbeitsschutzprämien. Im Jahr 2020 besonders gefragt waren:

Gefördert werden derzeit temporäre Lifeline-Systeme für Dach-, Holz- und Montagearbeiten für Bauzustände, bei denen technische Maßnahmen nicht anwendbar sind.

Weiterführende Informationen


  • Absturz
    Informationen zu Risiken und Schutzmaßnahmen, Seminaren und Arbeitsschutzprämien zur Absturzprävention

  • „Richtig anpacken“ – Mit ergonomischen Lösungen körperliche Belastungen verringern BG BAU aktuell 2-2020
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge – Untersuchungs- und Beratungsangebote für die konkreten Bedarfe der uns zugehörigen Unternehmen bietet der AMD der BG BAU GmbH